„Geschichte der Glasindustrie im Böhmerwald“
Eine Ausstellung des Chodenmuseums Taus/Domažlice
im Oberpfälzer Handwerksmuseum Rötz-Hillstett
Das Glashandwerk gehört zu den Industriezweigen, die Jahrhunderte lang ein untrennbarer Teil der Geschichte und der Kulturgeschichte des Böhmerwaldes waren. Die Glasmacher bildeten mit ihrer Lebensweise eine eigenständige und sehr interessante Bevölkerungsgruppe. Bedauerlicherweise verkommt die Glasmacherei im Böhmischen Wald langsam schon im Laufe des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist dieser traurige Prozess vollendet. Im Laufe der Zeit gerieten nicht nur das Handwerk selbst, sondern auch die Erinnerungen an die Glasmacher in Vergessenheit.
Die Geschichte der Glasmacherei im Böhmerwald beginnt mit den ältesten Glashütten in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Diese Betriebe hatten nur einen kleinen Schmelzofen mit einer einfachen Holzbedachung. Sie hatten keinen festen Standort, sondern wurden nach Bedarf an andere Orte versetzt, wo es wieder genügend notwendiges Brennholz gab. Es wurden vor allem Verbrauchsgegenstände hergestellt: Fensterscheiben, Hohlglas, Rosenkranzperlen.
Als Blütezeit der Glasmacherei im Böhmerwald kann man den Zeitraum des 17. und 18. Jahrhunderts betrachten, als etwa 30 Betriebe zugleich arbeiteten. Das Sortiment wird auch um weniger typische Gegenstände erweitert (Waschbecken, Leuchter, Kronleuchter, Tabletts), der Schwerpunkt liegt jedoch weiterhin auf der Herstellung von Fensterscheiben und Hohlglas. Neben den Glashütten gibt es auch spezialisierte Betriebe zum Veredeln des hergestellten Glases, wie z. B. Schleifereien oder Polierwerke.
Die einzelnen Betriebe gelangten allmählich in den Besitz einiger bedeutender Glasfamilien, in der Region Domažlice (Taus) vor allem jüdischer Unternehmer. Die letzten Eigentümer der größten Glasbetriebe gehörten zur Familie Ziegler, deren Mitglieder noch die Schließung der Glashütten in Staňkov (Stankau) und Holýšov (Holeischen) in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts erlebten.
Heute wurden im Böhmerwald mehr als 60 Glashütten lokalisiert. An deren Entdeckung sowie Untersuchung nahm Forscher und Verleger Zdeněk Procházka aus Domažlice (Taus) teil und sein Werk ist der Schwerpunkt dieser Ausstellung.
Die Ausstellung wird präsentiert im Rahmen des Projekts DIALOG | MUZEUM mit Unterstützung der Europäischen Union Ziel 3 - CÃl 3 Territoriale Zusammenarbeit (INTERREG) Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). www.dialog-muzeum.eu
| Die Ausstellung ist geöffnet bis 30. Oktober 2011 |
| Dienstag bis Sonntag 14.00 bis 17.00 Uhr |







